Bindungstheorie

Bindungstheorie und Kinderzahnheilkunde – Fragen und Antworten

Liebe Kinderzahnärzt:innen,
 
auf dieser Seite finden Sie Antworten auf Fragen zum Umgang mit Kindern und Eltern (und anderen Patienten) in der Kinderzahnarztpraxis. Die Website ist nach Themen geordnet. Durch Anklicken können Sie direkt zur gewünschten Antwort gelangen.


Allgemeines

Bindung

Umgang mit Eltern

Narkose

Erwachsene Patienten

 


Allgemeines

Was ist besser: Festhalten während der Behandlung oder Behandlung in ITN?

Es kommt darauf an … Für ein körperlich gesundes Kind: Bei längeren Maßnahmen oder (auch kurzen) sehr unangenehmen (Zahnextraktion eines entzündeten Zahnes) ist nach meiner Einschätzung eine Behandlung in Narkose das kleinere Übel. Bei einem Kind mit erhöhtem Anästhesierisiko sieht die Abwägung möglicherweise anders aus.

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Werden Kinder beim Festhalten zum Einleiten der ITN nicht traumatisiert? Wie geht man mit der Situation am besten um?

Eine Traumatisierung durch medizinische Maßnahmen ist möglich – auch durch Festhalten beim Einleiten der Narkose -, tritt aber eher bei „psychisch vorgeschädigten“ Kindern auf als bei gesunden und resilienten (sicher gebundenen). Die Erklärung, dass es in manchen Situationen nur „schlechte“ Alternativen gibt und es um die Auswahl der „am wenigsten schlechten“ Lösung geht, verstehen (nach meiner Erfahrung) die meisten Eltern.

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Bindung

Ist Bindung „heilbar“, z. B. bei Kindern, die durch äußere Anlässe schwierige Umstände für Bindung hatten (Krankenhausaufenthalte oder Operationen)?

Kinder, die durch äußere Umstände (Frühgeburt, schwere Krankheiten, Unfälle) und die damit verbundene Trennung von ihren Eltern bzw. durch die (durch das Beobachten und Begleiten des Kindes) selbst „traumatisierten“ Eltern keine feinfühlige Unterstützung bekommen haben, können von einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (oder einer Psychotherapie der Eltern) profitieren. Die Erholung (mit therapeutischer Begleitung) nach solchen Umständen kann langwierig sein.

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Umgang mit Eltern

Ich habe – wie wahrscheinlich alle anderen auch – immer wieder Eltern, die die Behandlung (aufgrund ihrer eigenen Angst) stören und dadurch das Kind beeinflussen. Haben Sie einen Tipp wie man den Eltern in der Situation die Störung deutlich vermitteln und kommunizieren kann, ohne die Behandlung zusätzlich zu beeinträchtigen, also die Eltern vielleicht ein bisschen in die Schranken weisen kann?

Die Klärung der „Störungssituation“ bräuchte etwas Zeit (des Gesprächs mit den Eltern). Zur Inspiration: An die Eltern gewandt: „Ich habe den Eindruck, dass Sie selbst gerade ängstlich sind. Gleichzeitig merke ich, dass es Ihrem Kind damit nicht gut geht. Wäre es Ihnen möglich, dass Sie Ihrem Kind für die nächsten fünf Minuten nur wortlos die Hand halten?“

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Narkose

Was ist zum Einleiten der ITN besser: mit oder ohne Eltern?

Ich würde im Gespräch mit den Eltern ggf. nachfragen (wenn Sie den Eindruck haben, dass die Eltern verzerrte Vorstellungen von den Möglichkeiten ihres Kindes haben), ob ihnen klar ist, dass es möglich sein könnte, dass ihr Kind bei der Narkoseeinleitung festgehalten werden muss, und ob sie dazu bereit wären. Eventuell lohnt es sich zu fragen, ob eine vertraute Person des Kindes (z. B. eine Tante), die das Kind und die Mutter in der Situation untersützen könnte, zum Termin mitkommen kann. Ein Beispielsatz zur Inspiration: „Ein kurzes Festhalten bei der Narkoseeinleitung ist aus unserer Sicht die am wenigsten schlechte Lösung, um die Zähne Ihres Kindes versorgen zu können.“ Die Anwesenheit der Eltern (oder einer anderen vertrauten Person) ist für das Kind eine Art „Legitimation“. Das, was hier passiert, darf so sein.

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Erwachsene Patienten

Wie fange ich Patienten auf, die sich in ihrem Schmerz oder ihrem Krankheitsbild verrannt haben, ohne diese in eine (ab-)wertende Ecke zu stellen? Ab wann bzw. wie gebe ich Patienten zu verstehen, dass diese „andere Hilfe“ benötigen?

Ich vermute, dass Sie damit ausdrücken wollen, dass Sie für die Beschwerden (und Vorstellungen) des Patienten kein organisches Korrelat gefunden haben.
Zur Inspiration: Wenn Sie ein Untersuchungsergebnis (z. B. Normalbefund) dem Patienten mitteilen, könnten Sie ihm sagen:
„Wir haben keinen Hinweis auf die (von Ihnen) vermuteten Ursachen gefunden. (Nicht: „Sie haben nichts!“) Aus meiner Sicht haben wir alles getan (untersucht, behandelt), was nach dem aktuellen Stand der Zahnmedizin erforderlich ist. Weitere Untersuchungen (oder Behandlungen) halte ich im Moment für nicht angezeigt. Manchmal entstehen im weiteren Verlauf neue Hinweise, denen dann gegebenenfalls nachgegangen werden kann. Wenn Sie zusätzliche Unterstützung bei der Verarbeitung Ihrer Beschwerden brauchen, könnte die Arbeit mit einem ärztlichen oder psychologischen Psychotherapeuten hilfreich sein. Was meinen Sie dazu?“

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